An Bill und Tom Kaulitz kommt man aktuell kaum vorbei. Ob mit ihrer Reality-Serie auf Netflix, dem Podcast Kaulitz Hills, diversen Werbedeals oder natürlich mit ihrer Band Tokio Hotel – die Zwillinge sind präsenter denn je.
Passend dazu wurde kürzlich auch der Starttermin der dritten Staffel von Kaulitz & Kaulitz bekannt gegeben: Ab dem 23. Juli gibt es bei Netflix neue Einblicke in das Leben der Brüder zwischen Los Angeles, Touralltag und Familiengeschichten. Laut ersten Ankündigungen soll die neue Staffel persönlicher und emotionaler werden als die bisherigen.
Musikalisch richtet sich der Blick aber längst auf das kommende Tokio-Hotel-Album Encore, das am 16. Oktober erscheinen soll. Nach den bereits veröffentlichten Singles „Changes“ und „California Nights“ folgt nun mit „Memory Lane“ der nächste Vorbote. Das Album wird insgesamt zwölf Songs umfassen und laut Band eine Brücke zwischen Nostalgie und Weiterentwicklung schlagen.
Genau hier liegt für mich allerdings das Problem.
„Memory Lane“ ist keineswegs ein schlechter Song. Im Gegenteil: Er geht sofort ins Ohr, klingt angenehm produziert und dürfte live hervorragend funktionieren. Doch genau darin steckt auch seine größte Schwäche. Alles wirkt sehr glatt, sehr vorhersehbar und erstaunlich risikolos.
Inhaltlich blickt die Band auf ihre eigene Geschichte zurück – auf die Anfänge in Magdeburg, alte Freundschaften und die ersten Schritte von Tokio Hotel, lange bevor „Durch den Monsun“ alles veränderte. Nostalgie ist natürlich ein legitimes Thema, und die persönliche Ebene macht den Song durchaus sympathisch.
Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl zurück, dass Tokio Hotel aktuell lieber zurückschauen als nach vorne. Während Bill und Tom in anderen Projekten oft mutig, überraschend und experimentierfreudig auftreten, wirkt „Memory Lane“ fast schon zu sicher. Es fehlt dieser eine Moment, der überrascht. Dieser kreative Funke, bei dem man denkt: Okay, damit habe ich nicht gerechnet.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich inzwischen fast mehr für den Podcast der Zwillinge begeistern kann als für ihre Musik. Dort wirken sie spontan, chaotisch und authentisch. Die Musik hingegen fühlt sich momentan deutlich kontrollierter an.
Natürlich ist das Geschmackssache. Viele Fans werden gerade die nostalgische Stimmung lieben. Für mich bleibt „Memory Lane“ aber eher ein solider Popsong als ein wirklich spannender Vorgeschmack auf das neue Album.
Vielleicht hebt sich Tokio Hotel die großen Überraschungen ja noch für Encore auf.
Wer die Band trotzdem – oder gerade deshalb – live erleben möchte, bekommt 2026 auf der großen Arena-Tour zahlreiche Gelegenheiten. Einige Termine sind bereits stark nachgefragt oder ausverkauft, aktuelle Informationen gibt es auf der offiziellen Tourseite von Tokio Hotel.
Arena Tour 2026
28.10.2026 – London – OVO Arena Wembley
30.10.2026 – Paris – Adidas Arena
01.11.2026 – Hamburg – Barclays Arena
02.11.2026 – Brüssel – Forest National
04.11.2026 – Amsterdam – AFAS Live
05.11.2026 – Frankfurt am Main – Festhalle
07.11.2026 – Berlin – Uber Arena
08.11.2026 – Nürnberg – ARENA NÜRNBERGER Versicherung
10.11.2026 – Zürich – Hallenstadion
11.11.2026 – Mailand – Unipol Forum
13.11.2026 – Leipzig – QUARTERBACK Immobilien Arena
15.11.2026 – Wien – Wiener Stadthalle
16.11.2026 – München – Olympiahalle
18.11.2026 – Esch-sur-Alzette (Luxemburg) – Rockhal
19.11.2026 – Düsseldorf – PSD Bank Dome
21.11.2026 – Paris – Adidas Arena
23.11.2026 – Madrid – Palacio Vistalegre Arena
Wie seht ihr „Memory Lane“? Gelungene Rückschau auf die eigene Geschichte oder fehlt euch ebenfalls etwas der Mut zum Risiko?

